Wertschätzung beginnt mit Hinsehen
Warum sich alle mehr Wertschätzung wünschen und ihr Fehlen teuer werden kann
„Aber wir machen doch schon so viel für unsere Mitarbeitenden.“ Diesen Satz hören wir in unseren Trainings und Projekten häufig von Führungskräften und Geschäftsführungen. Und oft stimmt er auch. Viele investieren Zeit in Gespräche, würdigen gute Leistungen, organisieren Teamevents oder schaffen attraktive Rahmenbedingungen. Trotzdem zeigen Befragungen immer wieder, dass sich Beschäftigte nicht ausreichend wertgeschätzt fühlen. Wie passt das zusammen?
Die große Wertschätzungslücke
In den meisten Unternehmen existieren zwei Wirklichkeiten nebeneinander: Auf der einen Seite die Führungskraft, die denkt: „Ich habe doch erst letzte Woche ‚Danke‘ gesagt.“ Auf der anderen Seite Mitarbeitende, die sich fragen: “Nimmt eigentlich irgendjemand hier wahr, was ich jeden Tag leiste?“
Wer hat nun recht? Vermutlich beide. Denn häufig fehlt es nicht an Wertschätzung, sondern an ihrer Wirkung. Sie wird ausgesprochen, kommt jedoch nicht so an, wie sie gemeint ist. Ein Beispiel macht es greifbarer: Am Ende einer Teamsitzung sagt die Führungskraft: „Die Präsentation war gut.“ Für sie ist damit Anerkennung ausgesprochen. Bei der Mitarbeiterin oder dem Mitarbeiter kommt dagegen an: „War okay, also nichts Besonderes.“
Warum entsteht diese unterschiedliche Wahrnehmung? Weil Menschen verstehen möchten, was genau gesehen wurde. Was war gelungen? Warum war es wichtig? Welchen Beitrag hat die eigene Arbeit zum gemeinsamen Erfolg geleistet? Der Satz „gut gemacht“ wirkt dagegen oft wie ein Geldschein ohne Betrag: man erkennt die Absicht, der Wert hingegen bleibt unklar.
Apropos Geldschein: Was kostet das eigentlich?
Wertschätzung wird manchmal als weiches Thema betrachtet. Ihre Auswirkungen zeigen sich jedoch auch in konkreten Kennzahlen. Studien des Gallup Instituts weisen darauf hin, dass Mitarbeitende, die sich anerkannt fühlen, deutlich seltener einen Jobwechsel in Betracht ziehen.
Spannend wird dieser Zusammenhang, wenn wir die Kosten einer Nachbesetzung betrachten. Denn je nach Funktion liegen diese zwischen 40 und 200 Prozent eines Jahresgehalts. Recruiting, Einarbeitung, Produktivitätsverluste und zusätzliche Belastungen für das Team eingeschlossen. Hinzu kommen Auswirkungen, die sich schwerer beziffern lassen: Wissen geht verloren, erfahrene Kolleg*innen fehlen, Projekte werden langsamer und Teams verlieren Stabilität.
Wenn Anerkennung ins Leere läuft
Oft gibt es in Organisationen keine offene Unzufriedenheit. Die Stimmung wirkt stabil, niemand beschwert sich laut. Und doch verändert sich schleichend etwas: Besprechungen werden zäher, Verantwortung wird vorsichtiger übernommen, Ideen bleiben unausgesprochen. Die Menschen sind noch da, aber ein Teil ihrer Energie hat sich zurückgezogen.
Wenn Teams weniger Initiative zeigen, suchen Unternehmen häufig nach neuen Anreizen. Doch oft lohnt der Blick auf etwas Grundsätzlicheres: die Qualität von Aufmerksamkeit und Rückmeldungen im Alltag. Forschung zeigt: Wer sich gesehen fühlt, bringt eher Ideen ein, übernimmt Verantwortung und engagiert sich über das Notwendige hinaus. Genau deshalb ist Wertschätzung ein so zentrales Thema in unseren Führungskräftetrainings.
Die drei Schritte wirksamer Wertschätzung
Betrachten wir noch einmal das Beispiel der Präsentation: Eine Mitarbeiterin übernimmt kurzfristig die Vorbereitung für die Geschäftsleitung. Statt eines knappen „Danke, das war gut“ könnte die Rückmeldung so klingen:
„Mir ist aufgefallen, wie schnell Sie die Präsentation vorbereitet haben, obwohl meine Anfrage sehr kurzfristig kam. Besonders hilfreich fand ich, dass Sie die Zahlen so übersichtlich aufbereitet haben. Dadurch konnte ich die wesentlichen Punkte klar darstellen und wir sind zu einer guten Entscheidung gekommen. Das hat mir die Arbeit deutlich erleichtert.“
Der Unterschied liegt nicht in der Länge, sondern in der Qualität der Rückmeldung. Denn sie macht drei Dinge deutlich:
- Sie beschreibt konkret, was beobachtet wurde
- Sie macht Wirkung sichtbar (Wirkung auf die Person und das Unternehmen)
- Bedeutung (Bedeutung für die Person, Grund der Dankbarkeit)
In diesem Moment entsteht das Gefühl: „Mein Einsatz wurde wirklich gesehen.“
Eine Frage zum Schluss
Wann haben Sie zuletzt einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter konkret beschrieben, welchen Unterschied ihr oder sein Beitrag gemacht hat? Wenn Ihnen spontan mehrere Beispiele einfallen, ist das ein gutes Zeichen. Wenn nicht, liegt darin vielleicht ein wichtiger Hinweis.
Mit Trainings und systemischen Coachings unterstützt Prospektiv Führungskräfte, Teams und Organisationen dabei, Wertschätzung bewusster, konkreter und damit wirksamer zu gestalten. Denn Wertschätzung beginnt nicht beim ausgesprochenen Lob, sondern beim genauen Hinsehen.
Ihre Ansprechperson zum Thema Wertschätzung und zum Systemischen Coaching bei Prospektiv

Sonja Westermann
Beraterin, Trainerin und Systemischer Coach
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